Vielen Menschen geht es so, dass sie schöne Tiere – und natürlich auch andere Dinge – einfach anschauen müssen.
Es scheint fast so, als ob von manchen Tieren eine magische Kraft ausgeht und die Betrachtenden ihre Augen gar
nicht mehr abwenden können, weil sie das, was sie gerade sehen, so schön finden. Sicherlich kann das der ein oder
andere auch von sich selbst bestätigen.

Ein wunderschöner Schmetterling, zum Beispiel, von dem man glaubt, ihn noch nie zuvor gesehen zu haben – die
Augen folgen ihm über Blütenblätter hinweg, bis man ihn nicht mehr sehen kann. Ein Reh, das über eine Wiese springt.
Ein Mensch, der dem eigenen Schönheitsideal entspricht. Ein Baby im Kinderwagen.

So ist es unter anderem auch bei Hunden. Menschen, die den Hund, den sie gerade sehen, wunderschön finden, können
ihren Blick oft kaum von ihm abwenden. Ja, das kann sogar regelrecht bis zum Anstarren reichen. Oft ist diesen Menschen
das selbst gar nicht bewusst.

Doch wie geht es unseren Hunden damit? Wie fühlen sie sich dabei?

Der eine Hund interessiert sich überhaupt nicht dafür und läuft an den Menschen vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen.
Vielleicht schaut er auch kurz hoch, sieht die Menschen an und wendet sich dann wieder den für ihn wichtigeren Dingen zu –
zum Beispiel dem Schnüffeln…

Aber es gibt auch Hunde, die das nicht ganz so gelassen sehen. Sie spüren die Blicke fremder Menschen regelrecht auf ihrem
Körper, wissen nicht, ob ihnen der Fremde freundlich gesinnt ist oder nicht. Sie werden vielleicht nervös und fühlen sich
möglicherweise durch direkten Blickkontakt in die Augen provoziert. Manche Hunde haben dabei das Gefühl, von der fremden
Person regelrecht fixiert zu werden.

Wer kann schon von sich behaupten, dass es ihm wirklich nichts ausmacht, das Gefühl zu haben, angestarrt zu werden?
Vielleicht freut man sich darüber und fühlt sich geschmeichelt. Vielleicht löst es aber auch ein unangenehmes Gefühl aus.

Ich habe schon Hunde beobachten können, die grundsätzlich freundlich waren, die aber in einer solchen Situation direkten
Blickkontakt in die Augen als Bedrohung wahrgenommen und dementsprechend selbst aggressiv reagiert haben.

Dabei wollten die Menschen oft gar nichts Böses. Sie wollten den Hund vielleicht einfach nur ansehen, weil er ihnen so gut
gefallen hat – während der Hund die Körpersprache oder die Mimik des Menschen ganz anders wahrgenommen hat.

Es wird oft sehr genau von Hunden beobachtet, wohin die Menschen schauen. Gerade bei unsicheren Hunden kann es dazu
kommen, dass sie stark auf Blickkontakt und Körperspannung reagieren. Manchmal reagieren Hunde auch auf Menschen,
die auf sie unsicher oder ungewöhnlich wirken. Oder sie spüren, wenn jemand Angst hat, und reagieren darauf selbst verunsichert.

Häufig kann es schon helfen, den Hund nur kurz anzuschauen und den Blick anschließend wieder von ihm abzuwenden.
Dadurch gibt man ihm möglicherweise etwas mehr Raum.

Ich würde mir wünschen, dass sich noch mehr Menschen mit der Körpersprache von Hunden auseinandersetzen würden und
dadurch besser verstehen könnten, wie Hunde auf bestimmte Situationen reagieren. Natürlich gilt das auch allgemein für den
Umgang mit Tieren.